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Die Geschichte von Kirche und Gemeinde

Das alte Flößerdorf Lechbruck, bestehend aus den Ansiedlungen Lech und Lechbruck sowie vieler Einzelhöfe, war bis 1779 im Pfarrverband des benachbarten Bernbeuren. Die erste Kirche erhielt Lechbruck 1616, sie stand im südlichen Teil des Friedhofes, was u. a. durch einen Plan von Jakob Heigl von 1757 erwiesen ist. Die infolge des blühenden Floßhandels angewachsene Bevölkerung erforderte eine eigene Seelsorge, die seit 1670 ein Hilfsgeistlicher von Bernbeuren ausübte. Im Jahre 1682 erhielt Lechbruck dann einen eigenen Kaplan.

Um 1724 scheinen an der alten Kirche größere Veränderungen stattgefunden zu haben, was durch den Aufriss eines neuen, gefälligen Turmes von Ambros Heldrich aus Lechbruck und Thomas Windt aus Bernbeuren belegt ist. Außerdem gibt es einen Voranschlag von Paulus Pfeiffer für eine neue Kanzel und die Kirche wude sicherlich damals auch nach Westen erweitert und noch stärker barockisiert.. Sie war auch Wallfahrtskirche "Unsere liebe Fau am Lech". Das ursprüngliche Gnadenbild, eine Gliederfigur in Brokatkleidung, 1858 entfernt, steht seit 1942 wieder auf dem Hochaltar. An die früheren Wallfahrten erinnern noch Votivbilder und Votivgaben in der Kirche. Der hochstiftliche Steuerkassier Joh. Gg. Knappich (1670-1746) stiftete ein Benefizium in seinem Heimatort, welches 1779 durch Fürstbischof und Kurfürst Klemens Wenzeslaus von Augsburg und Trier zur Pfarrei erhoben wurde.

Die bestehende Kirche wurde am 10. September 1785 durch einen Blitzschlag schwer beschädigt. Infolge der Rührigkeit und Freigiebigkeit der Kirchenpfleger Joh. Gg. Schwarzenbach (1717-1801, Bäckermeister) und Franz Ott (1722-1807) schritt man unterstützt von Probst Rösch in Füssen zum Bau einer völlig neuen Kirche am Nordende des "Büchel". Der Baumeister Benedikt Nigg aus Füssen, der zuvor die Kirche in Stötten zur allgemeinen Unzufriedenheit erweitert hatte, wurde energisch abgelehnt und der Neubau dem Joh. Ant. Geisenhof aus Pfronten übertragen. Er ist in Lechbruck im allgemeinen nach dem Befehl der bischöflichen Hofkammer in Dillingen verfahren, die Kirche und Turm "ohn alle äuserlich und innerliche Verzierung hergestellet" wissen wollte, eine für die Aufklärung sehr bezeichnende Forderung.

Es kam bald zu finanziellen Schwierigkeiten und zu Zwisten zwischen dem Baumeister und den Auftraggebern. Am 5. August 1790 wurde die Kirche durch den Weihbischof Ungelter konsekriert (Inschrifttafel an der Nordwand), der Turm wurde aber erst 1792 durch die Füssener Maurermeister Mathias und Franz Ott und dem Zimmerermeister Michael Christa nach Geisenhofs Plan vollendet.

Die Deckengemälde (1788) sind eine Arbeit des in Rom ausgebildeten Malers Joh. Nep. Eberle, nachdem man diesmal den Pfrontener Hofmaler Jos. Keller us Erbitterung gegen die Pfrontener Bauleute mit aller Schärfe zurückgewiesen hatte. Fertiggestellt wurden sicher nur die Bilder selbst, der Stuckrahmen und die übrige Dekoration wurden erst 1909 ergänzt.

 

 

Der Hochaltar, wohl auch von Geisenhof entworfen (Akkord mit dem Lechbrucker Schreiner Josef Alois Schmid, gestiftet von der Hoffischmeisterin Helena Ott) wurde erst mit den Mitteln des Joh. Schwarzenbach von Anton Mangold in Bayersoien (Inschrift) gefaßt. Eine Inschrift am linken Seitenaltar besagt, daß ein Joh. Gg. Fichtl von Helmenstein den Altar "von Holz hat machen lassen", daß aber dieser, sowie die Kanzel (gestiftet von der Wittib Jakobine, Bäuerin in Lechbruck, gest, 1798) erst 1806 von Anton Mangold "von lauter freiwillige Geschenke" gefaßt worden sei. Um diese Zeit wird auch der rechte Seitenaltar fertig geworden sein. Es ist also sicher, daß die Entwürfe gleichzeitig mit dem Kirchenbau gemacht wurden, daß sich aber die Ausführung sehr lange hinzog. Von 1798 gibt es eine Quittung des Bildhauers Nikolaus Weiß aus Rettenberg für gelieferte Altarfiguren. So dauerte die Arbeit an den Altären von 1786 bis 1806!

Glücklicherweise konnten die Arbeiten noch vor dem österreichischen Staatsbankrott 1811, der die Lechflößer auf das schwerste schädigte, vollendet werden. Es war ja schon vorher, infolge der Revolutionskriege, nicht möglich gewesen, die dekorative Ausmalung und Stuckierung des Gotteshauses zu bewerkstelligen, später konnte man umso weniger daran denken. In der Entstehung der Lechbrucker Kirche spiegelt sich nicht nur der Wandel der Kunst, sondern auch die politische Geschichte wider.